Ton ab! Kamera ab! Versicherung!

Der Zauber der Leinwand würde schnell verblassen, wenn Filmschaffende sich nicht mehr auf den Schutz verlassen könnten, den ihnen Versicherungen bieten.
  • Angesichts der hohen Kosten von Film- und Fernsehproduktionen kann jede Verzögerung Mehrkosten verursachen und sich erheblich auf das Budget eines Studios auswirken.
  • Die Entertainment-Versicherung deckt Kosten und Zusatzausgaben, sofern diese durch Zeitverlust entstehen, durch gesundheitsbedingte Ausfälle von Schauspielern, Schäden an Requisiten, Set und Ausrüstung oder durch defektes Equipment.
  • Die Unterhaltungsindustrie ist weltweit stark gewachsen, insbesondere in China und Europa; sie hat sich im Lauf der Zeit auch technologisch immer weiterentwickelt.
  • Ohne Versicherung gäbe es nur wenige finanzielle Unterstützer, die den enormen Kapitalbedarf für die  „magischen Momente“ auf der Leinwand decken könnten.

Kein Versicherer würde die Risiken eines James Bond decken wollen; man denke nur an die extremen Torturen, denen 007 seinen Körper im Dienste Ihrer Majestät aussetzt, von den hohen Sachschäden, die der Agent hinterlässt, ganz zu schweigen. Doch bei Daniel Craig sieht die Sache ganz anders aus. Craig, aktueller Darsteller des charmanten Superspions, muss – wie alle seine Kollegen vor ihm – versichert werden, bevor er sich dem Set auch nur nähert.

Warum, wurde während der Verfilmung von Spectre (2015), der 24. Folge der Serie, deutlich. Der damals 37 Jahre alte Schauspieler erlitt während eines Stunts eine Meniskuszerrung, worauf er sich einer Arthroskopie zu unterziehen hatte. Die Folge: ein enormer Zeitverlust.

„Mit täglichen Drehkosten von bis zu einer halben Million Dollar für einen Kassenschlager können die Schadensummen rasch in die Höhe schnellen, wenn sich der Dreh verschiebt“, so Michael Furtschegger, Head of Entertainment International bei der Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS). 

Als Kinogänger hat Furtschegger eine Vorliebe für Thriller und Actionfilme wie die Serie „Mission Impossible“. Was den Abschluss von Versicherungspolicen betrifft, schätzt er eher Komödien, Dramen und insbesondere Liebesfilme. „Da ist die Versicherung weniger problematisch“, gesteht er lächelnd. „Sie kommen ohne die todesmutigen Stunts und die hochexplosive Pyrotechnik der Actionfilme aus.“

Ob gefährliche Stunts, Explosionen aller Art oder menschliches Versagen, am Set kann viel schieflaufen. Die meisten Filmstudios und unabhängigen Produktionsfirmen werden mit einem Dreh erst dann beginnen, wenn eine Versicherung gegen eventuelle Verzögerungen aufgrund von gesundheitlichen Beeinträchtigungen bzw. Arbeitsunfähigkeit von Schauspielern, aufgrund von Schäden an Requisiten, Set oder Kostümen oder wegen defektem Equipment abgeschlossen wurde. Die AGCS übernimmt auch Extrakosten wie z.B. Schäden an Filmmaterial. Traditionell handelte es sich hierbei um 16- bzw. 32-Millimeterfilme. Heutzutage ist dagegen die Speicherung auf Chipkarten und anderen elektronischen Medien gedeckt.

Zur täglichen Arbeit eines Filmversicherers gehört die Analyse von Drehbüchern, Drehterminen und Filmbudgets. Bei ihrer Bewertung sehen sich die Versicherungsexperten unter anderem die jeweilige Besetzung, die Stunts, Drehorte und auch sensible medizinische Daten der Schauspieler genauer an.

Nicole Kidman beispielsweise hatte vor Jahren ein gesundheitliches Problem. Als sie sich 2001 bei der Verfilmung von Moulin Rouge eine Verletzung am Knie zuzog, entschädigten die Versicherer den entstandenen Zeitverlust mit 3 Mio USD. Da die Schauspielerin zudem verhindert war, ein Jahr später im Film Panic Room aufzutreten, musste Jodie Foster als kostspieliger Ersatz engagiert werden.

Normalerweise bewegen sich die Versicherungsprämien – je nach Genre, versichertem Budget, Selbstbehalt und anderen Risikofaktoren – zwischen 0,6 bis 1 Prozent des Gesamtbudgets für einen Film;  bei einer Produktion im Wert von 200 Mio. USD kommt also eine Summe von 1 bis 2 Mio. USD zusammen. Laut Furtschegger wird die Deckung für jede Produktion maßgeschneidert.

Bei Kassenschlagern mit Kosten von 200 Mio. USD oder mehr spielt die Risikoeinschätzung eine ganz besondere Rolle. „Es gibt immer eine Menge von Gefahrenpunkten, aber in der Regel finden wir einen Kompromiss - über das Gespräch mit dem Kunden und durch risikogerechtes Underwriting“, so Furtschegger. „Allerdings hat sich herausgestellt, dass ein Hauptdarsteller, der seine Stunts selbst spielt, ein zu hohes Deckungsrisiko birgt. Als ein bekannter Dokumentarsender nach einer Versicherung für seinen Moderator fragte, der von einer Python verschlungen werden sollte, war unsere Antwort ein klares ‚Nein‘.“

Typischerweise bewertet der AGCS Experte die Filmrisiken im Gespräch mit Maklern, Filmemachern, den Verantwortlichen für die „Special Effects“ und den Technikteams lange vor dem ersten Drehtag. Bei Kassenschlagern ist jedoch häufig ein Risikoingenieur vor Ort, der einschätzen muss, welche Risiken und Haftungen mit einzelnen Stunts verbunden sind.
Nach sorgfältiger Risikobewertung kann es gut sein, dass die Allianz wegen gefahrenerhöhender Umstände Änderungen am Drehbuch verlangt, um die Risiken für die beteiligten Akteure zu begrenzen; ggf. müssen Stunt-Doubles einbezogen oder Szenen umgeschrieben werden.

Die Allianz arbeitet schon lange mit der Filmindustrie zusammen. Ihr Vorläufer Fireman's Fund Insurance Company begann bereits in den 1890er Jahren der Stummfilmära Hollywoods mit der Filmversicherung. Von den Keystone Kops und Charlie Chaplin über Harry Potter bis hin zu den jüngsten Marvel-Superhelden-Filmen hat die AGCS Tausende von Hollywood-Erfolgen, unabhängigen Produktionen, Dokumentar-, Werbe- und Fernsehfilmen versichert.
Zu den Klassikern der letzten Jahrzehnte gehören u. a. Spartacus, Der Pate, Apocalypse Now und The Dark Knight Rises. Die Allianz versicherte außerdem die Maisfelder in Iowa in Zusammenhang mit dem Feld der Träume, Kunstschätze aus dem Louvre und das Sunset-Schiff beim Dreh von The Da Vinci Code, das als „The Black Pearl“ im Film Pirates of the Caribbean eingesetzt wurde und von den Bahamas durch den Panamakanal segelte.

„Unsere langjährige Erfahrung verschafft uns in der Sparte einen herausragenden Ruf“, ist sich Furtschegger sicher. „Das ist der Grund dafür, warum heute jeder zweite oder dritte Blockbuster über uns versichert ist.“

Eine der ältesten Geschäftsbeziehungen der Allianz ist die zu James Bond Franchise.

„Sie ist ein gutes Beispiel für ein echtes Vertrauensverhältnis, das wir über Jahrzehnte hinweg aufgebaut haben und das uns zum bevorzugten Versicherer für etliche Unternehmen macht“, so Furtschegger.

Seit 2015, als der Fireman's Fund von der AGCS übernommen wurde, expandiert das Geschäft mit der Filmversicherung weltweit. Das spiegelt die Entwicklungen innerhalb der Filmindustrie wider. Neue Formate von Global Playern wie Amazon und Netflix forderten die traditionelle Filmproduktion heraus. Mittlerweile zählen diese Firmen zu den größten Content-Produzenten weltweit.

„Wir haben damit begonnen, unsere Filmversicherungen rund um den Globus anzubieten, und zwar genau zum richtigen Zeitpunkt“, meint Furtschegger. „Diese Unternehmen sind in der Tat weltweit präsent und suchen nach einem Geschäftspartner, der sie mit einem standardisierten globalen Ansatz unterstützen kann. Neben unserer internationalen Aufstellung bieten wir auch lokale Versicherungskompetenz, womit die Konkurrenz nicht mithalten kann.“

Ein weiterer bemerkenswerter Trend, so Furtschegger, ist die wachsende Bedeutung der chinesischen Filmindustrie. Während der von den Marvel Studios gedrehte Black Panther nach seinem Erscheinen in China im März 2018 mehr als 100 Mio. USD einspielte, konnte Operation Red Sea, ein Action-Film über chinesische Truppen im Jemen, der im selben Monat herauskam, Bruttoeinnahmen von 579 Mio. USD verbuchen. In diesem Jahr waren auch eine ganze Reihe anderer Produktionen aus dem Reich der Mitte am heimischen Markt erfolgreich, u. a. Detective Chinatown 2 (541 Mio. USD), Dying to Survive (451 Mio. USD) und Hello Mr. Billionaire (367 Mio. USD). In der Tat sind unter den zehn größten Kassenschlagern in China nicht weniger als fünf nationale Produktionen, die seit 2017 in die Kinos kamen.

„Das chinesische Kino erlebt einen ausgesprochenen Boom und in Anbetracht der großen Budgets steigt auch das Bewusstsein für die Bedeutung von Versicherungsschutz“, bemerkt Furtschegger.

Weltweit wuchs die Unterhaltungs- und Medienbranche in den vergangen vier Jahren um 5,1 Prozent jährlich;  2019 soll sich dieser Trend fortsetzen. Obschon genaue Zahlen nicht ohne Weiteres zugänglich sind, ist bekannt, dass Hollywood nach wie vor mit geschätzten 400 Mio. USD jährlich die höchsten Versicherungsprämien bezahlt, gefolgt von Großbritannien mit ungefähr 40 bis 50 Mio. USD sowie Frankreich und Deutschland mit jeweils 20 bis 30 Mio. USD. Bei China beträgt der Wert ca. 45 Mio. USD, mit steigender Tendenz.

„Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass es ohne Versicherungsschutz keine Filmindustrie gäbe“, resümiert Furtschegger. „Ohne Versicherung gäbe es nur wenige finanzielle Unterstützer, die den enormen Kapitalbedarf decken könnten, der erforderlich ist, um der Leinwand ihre Magie zu verleihen. Und wir gehören zu den wenigen Unternehmen weltweit, die die dafür notwendigen Versicherungen bereitstellen können.“

Lesen Sie diesen Artikel im Global Risk Dialogue. Der Global Risk Dialogue ist das Magazin der Allianz Global Corporate & Specialty mit Nachrichten und Expertenwissen aus der Welt der Unternehmensrisiken.
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