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Transport- und Verkehrshaftungsversicherung in Brasilien

Im aufstrebenden Markt Brasilien ist das Versicherungswesen streng reguliert. Das bekommen auch Unternehmen aus dem Ausland zu spüren, die in Brasilien Niederlassungen unterhalten. Die Regelungen zur Transportwaren- und Verkehrshaftungsversicherung wurden ab Anfang 2014 von den Behörden noch einmal klargestellt.

Wie die aktuellen Vorgaben zur Transport-Waren- und Verkehrshaftungsversicherung im größten Staat Südamerikas zu verstehen und anzuwenden sind, erläutert unser Spezialist für Transportversicherungen, Jürgen Bienroth.

> Diesen Artikel können Sie hier als pdf-Dokument zum Download finden.

Transport- und Verkehrshaftungsversicherung in Brasilien – die grundlegenden Regelungen

Für die deutsche Industrie ist Brasilien ein wichtiger Produktionsstandort und Absatzmarkt. Das spiegelt sich in den zahlreichen internationalen Versicherungsprogrammen wider, deren Führung viele Unternehmen uns anvertraut haben, indem sie für ihre brasilianischen Tochterfirmen lokale Transport-Versicherungspolicen über die AGCS abgeschlossen haben. Mit einigen unserer Kunden waren wir Underwriter in den letzten Monaten im Gespräch über ihre Lokalverträge, damit sie weiterhin den Vorgaben der brasilianischen Versicherungs-Aufsicht (SUSEP) entsprechen. Vor diesem Hintergrund möchten wir hier einige Eckpunkte der jüngst in Brasilien diskutierten Aufsichtsvorgaben vorstellen.

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Das Versicherungswesen in Brasilien ist nach wie vor stark reguliert - daraus ergeben sich spezielle Anforderungen an die Versicherungen von ausländischen Unternehmen, die im größten Staat Südamerikas eine Niederlassung haben (Bild: Shutterstock)

Der Versicherungsmarkt in Brasilien ist stark reguliert - nach wie vor auch im Bereich Transportversicherung für Großunternehmen. So sind brasilianische Firmen, sofern sie juristische Personen sind, gesetzlich dazu verpflichtet, für alle Transporte ihrer Güter auf brasilianischem Staatsgebiet (incl. Vor- und Nachreisen zu Ex-/Importen) eine Waren-Transportversicherung bei einem im Land lizensierten Versicherer abzuschließen.

Auch Straßen-Transportunternehmen (LKW-Frachtführer) unterliegen einer Versicherungspflicht. Zumindest ihre Haftung für Güter, die auf ihren LKWs durch Unfall, Kollision oder Feuer zu Schaden kommen, muss versichert sein.

Obwohl diese Regelungen schon beinahe 50 Jahre bestehen, waren einige Einzelheiten dazu kürzlich Gegenstand von Gesprächen zwischen betroffenen Verbänden und der SUSEP.

Die seit Anfang 2014 diskutierten Details der Versicherungspflicht

Aus den Gesprächen der beteiligten Verbände der Versicherer und der Frachtführer gemeinsam mit der Versicherungs-Aufsichtsbehörde ging das Rundschreiben des Versicherer-Verbandes vom 03. Juli 2014 hervor; hier erläuterte der Versicherer-Verband seinen Mitgliedern in 7 Punkten die Eckpfeiler einer gesetzeskonformen Gestaltung von Verkehrshaftungsversicherung, Waren-Transportversicherung sowie eventueller Regress-Verzichtserklärungen.

Aufgrund anhaltender Anfragen zum Thema veröffentlichte auch die Aufsichtsbehörde am 29.1.2015 eine eigene Stellungnahme zur Erläuterung der gesetzlich vorgeschriebenen Frachtführer-Haftpflichtversicherung in 5 Punkten.

Die Kern-Aussagen aus den genannten Stellungnahmen werden im Folgenden verkürzt wiedergegeben:

  • Die Transportversicherung des Versenders ersetzt nicht – auch nicht, wenn ein Regressverzicht zugunsten des Frachtführers besteht – die Verkehrshaftungs-versicherung des Frachtführers und umgekehrt. Beide Versicherungen sind Pflicht und müssen nebeneinander bestehen.
    Ein Regressverzicht darf sich nicht auf die Haftung aus Unfall, Kollision und Feuer erstrecken, da für den Frachtführer hier Versicherungspflicht besteht.

  • Versicherungsnehmer der Transportversicherung kann nicht der Frachtführer sein, Versicherungsnehmer der Verkehrshaftungsversicherung kann nur der Frachtführer sein.

  • Möchte der Versender die Verkehrshaftungsversicherung für die Frachtführer, die er beauftragt, arrangieren, kann er das tun, aber dann für jeden Frachtführer einzeln. Die Police unterschreiben muss gleichwohl der einzelne Frachtführer, denn er selbst ist Versicherungsnehmer.

Dazu gibt es eine Vielzahl weiterer Regelungen zur Ausgestaltung der Verträge, die im Rahmen dieses kurzen Artikels nicht ausgeführt werden können.

Ein weiterer wichtiger Punkt der aufsichtsrechtlichen Regelung: Die SUSEP hat jedem Transport- und Verkehrshaftungs-Versicherer eine Mindestpämienrate vorgeschrieben, die auch bei Lokalpolicen im Rahmen internationaler Versicherungsprogramme nicht unterschritten werden darf.


Auswirkungen auf in Brasilien tätige ausländische Unternehmen

Für unsere Kunden bedeutet das vor allem, 

  • dass ihre Niederlassungen in Brasilien eine eigene Transportversicherung als Pflichtversicherung (für nationale Transporte bei eigener Gefahrtragung) abschließen müssen
  • dass für bzw. in Brasilien weder ein einheitlicher (unter der lokalen Mindestrate liegender) Weltprogramm-Prämiensatz noch eine Festprämie (die einer Unterschreitung der Mindestrate entspricht) vereinbart werden kann
  • dass Regressverzichte gegenüber Frachtführern, so sie denn von unseren Kunden überhaupt gewollt sind, nur bedingt zulässig sind.

Hier finden Sie den Wortlaut der erwähnten Rundschreiben von Versicherer-Verband und Aufsichtsbehörde in unverbindlicher deutscher Übersetzung:

Rundschreiben FENSEG – 06 / 2014
Rundbrief Nr. 02/2015/SUSEP/DIRAT/CGPRO

Selbstverständlich können diese allgemeinen Erläuterungen eine detaillierte Prüfung der Gestaltung des individuellen Versicherungsschutzes nicht ersetzen. Unsere Underwriter stehen Ihnen jederzeit gern für ein vertiefendes Gespräch zur Verfügung.

Unser Experte

Jürgen Bienroth, Diplom-Volkswirt, ist Senior Underwriter Marine Cargo für die AGCS in Deutschland. Seit 33 Jahren ist er bei der Allianz im Bereich Transportversicherung tätig. Neben einigen Jahren bei Claims arbeitete er in der überwiegenden Zeit im Underwriting.

E-Mail: juergen.bienroth@allianz.com