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Nur noch mit Gewichtsangabe

Ab dem 1. Juli 2016 gilt: keine Container-Verladung auf Seeschiffe mehr ohne ‚bestätigte Bruttomasse‘. Das nimmt alle Unternehmen, die Waren per Container über die See schicken, in die Pflicht. Jürgen Bienroth, Senior Underwriter Transport bei der AGCS in Frankfurt, fasst die wichtigsten Aspekte der Neuregelung zusammen.

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Ohne eine genaue Gewichtsangabe geht ab Juli im Bereich Container-Verladung auf Schiffen nichts mehr (Bild: Shutterstock)

Die Sicherheit von Schiffen ist ein hohes Gut. Entsprechend streng sind die nationalen wie internationalen Regularien, die immer wieder erweitert und verbessert werden.

Weil fehlerhafte Angaben zum Gewicht beladener Container die Stabilität von Schiffen gefährden können, wurden hierzu neue Vorschriften erlassen, die mit Wirkung Mitte des Jahres verbindlich gelten.

Ab dem 1. Juli 2016 müssen die Befrachter von Seeschiffen

  • Containergewichte inklusive Ladung messen,
  • die Messung mittels Unterschrift oder Name des Verantwortlichen auf der Befrachter-Seite bestätigen,
  • die „Bestätigte Bruttomasse“ beladener Container an die Reederei/den Kapitän des Schiffes zur Erstellung des Stauplans rechtzeitig bekanntgeben.

Liegen keine Angaben zur „bestätigten Bruttomasse“ vor, darf das Schiff den Container nicht an Bord nehmen. Der Container bleibt also stehen, bis der Befrachter - üblicherweise der Versender der containerisierten Güter oder in dessen Auftrag ein Seefracht-Spediteur - mit der Reederei eine kaufmännische Einigung darüber getroffen hat, wie die Bruttomasse festgestellt wird. Da fast alle Schifffahrtsnationen den Regeln unterworfen sind, kann ab 1. Juli praktisch kein Container mit Ware mehr ohne „bestätigte Bruttomasse“ auf Seeschiffe verladen werden.

Für jedes Unternehmen, das als Befrachter von Containern gegenüber Reedereien auftritt, also auf dem Beförderungspapier (z.B. Seefrachtbrief/Konnossement, B/L) selbst als Befrachter aufgeführt wird, gilt die Verpflichtung zur Angabe der „bestätigten Bruttomasse“ unmittelbar.

Aber auch, wenn sich ein Unternehmen eines Spediteurs bedient, der den Beförderungsvertrag mit der Reederei im eigenen Namen abschließt, d.h. wenn der Spediteur als Befrachter im B/L eingetragen wird, wird es sich mit dem Spediteur darüber verständigen müssen, wer die Bruttomasse ermittelt und wer die Kosten dafür trägt; verantwortlich für die Bestätigung gegenüber der Reederei ist dann der Spediteur.

In jedem Fall werden Versender von Seefracht sich mit zeitlichem Vorlauf, den die Container ab Werk bis zum Seehafen benötigen, mit den Reedereien oder den Spediteuren darüber beraten und einigen müssen, wie die Einhaltung der neuen Regeln sichergestellt wird – nur dann ist ein reibungsloser Versand der beladenen Container möglich.

Einige Unternehmen sind bereits von ihren Logistikpartnern angesprochen worden. Die Logistikleiter der Unternehmen, die über See transportieren lassen, sollten also die Thematik und den nahen Geltungszeitpunkt 1. Juli ´auf dem Radarschirm´ haben.

Hintergrund

2014 hat die UN-Organisation International Maritime Organisation IMO, genauer gesagt deren Schiffssicherheitsausschuss (MSC Maritime Safety Committee), die Einführung der „bestätigten Bruttomasse“ (Verified Gross Mass bzw. VGM) beschlossen und dies an ihre Mitgliedsländer kommuniziert. Umgesetzt wurden die Regelungen mittels einer Änderung des internationalen Übereinkommens SOLAS (Safety of Life at Sea Convention).

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat die Richtlinien des Maritime Safety Committee bereits im Januar 2015 in seinem Verkehrsblatt veröffentlicht. Auf der Website des Ministeriums sind Hinweise zur Umsetzung innerhalb Deutschlands zu finden.

Zu empfehlen ist ferner die hier hinterlegte Broschüre zu diesem Thema. Hier werden eine Reihe von Fragen geklärt, die einige von der Neuregelung betroffene Organisationen aus ihren Mitgliederreihen aufgegriffen haben: ein Verlader- und ein Reedereiverband, ein Schiffs- und Logistikversicherer sowie eine NGO-Verladesicherheitsorganisation.   

Unser Experte

Jürgen Bienroth, Diplom-Volkswirt, ist Senior Underwriter Marine Cargo für die AGCS in Deutschland. Seit 34 Jahren ist er bei der Allianz im Bereich Transport-versicherung tätig. Neben einigen Jahren bei Claims arbeitete er in der überwiegenden Zeit im Underwriting.

E-Mail: juergen.bienroth@allianz.com