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Nur Bares ist Wahres!?

In Zeiten negativer Zinssätze ist Umdenken gefragt. Bargeld einlagern ist eine gute Alternative für Unternehmen, denen Strafzinszahlungen drohen. Damit sind natürlich eigene Risiken verbunden, die es zu minimieren gilt. Ralph Schäfer, Practice Leader Property bei der AGCS in Frankfurt, fasst zusammen, worauf es hier ankommt.

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Auch Bargeld kann man versichern - man sollte es sogar, um die Sicherheit des Geldes zu gewährleisten (Bild: Shutterstock)

Folgenreiche Entscheidung der EZB

Am 10. März 2016 hat die europäische Zentralbank (EZB) eine Erhöhung des negativen Einlagenzinssatzes beschlossen. Banken und andere institutionelle Anleger müssen nun für die bei der EZB hinterlegten Gelder einen Negativzinssatz von 0,4 % bezahlen.

Bereits vor dieser Erhöhung des Strafzinses hat der Sparkassenverband Bayern seinen Mitgliedern empfohlen, statt der Zahlung von Negativzinsen über eine Einlagerung von Bargeld in den hauseigenen Tresorräumen nachzudenken [1].

Ging der Trend bisher dahin, den Bargeldbestand als „totes Kapital“ soweit als möglich zu reduzieren, wendet sich dies angesichts negativer Zinssätze ins Gegenteil. Und das bringt völlig neue Fragestellungen für die Unternehmen mit sich. Neben der alternativen Form der Aufbewahrung von Bargeld stellt sich für die Banken die Frage, ob und in welchem Umfang die Negativzinsen an die Kunden weitergegeben werden sollen. Privatkunden bleiben von diesen Überlegungen (bislang) ausgeschlossen.

Gegenüber institutionellen Anlegern jedoch ist die Zurückhaltung bei der Weitergabe des Negativzinses nicht mehr gegeben. Die Folgen sind teilweise weitreichend. Aktien- und Immobilienfonds erfreuen sich angesichts der Niedrigzinspolitik der EZB hoher Beliebtheit. Inzwischen mussten erste Immobilienfonds die weitere Vergabe von Anteilen einstellen, da die Immobilienkäufe nicht mit den Geldmittelzuflüssen Schritt halten konnten. Die Folge sind hohe Geldbestände, die sich aufgrund der Strafzinsen negativ auf die Rendite der Fonds auswirken.

Bargeldeinlagerung als Alternative

Tatsächlich erscheint die Einlagerung von Bargeld als eine echte Alternative - vorausgesetzt die Sicherheit des Geldes ist gewahrt. Die finanziellen Ersparnisse liegen auf der Hand, denn die Kosten gegenüber dem Strafzins können um gut 2/3 gesenkt werden.

Die Dauer dieser Zinsphase ist heute schwer absehbar. Experten gehen aber von einem Zeitraum von mindestens 3 Jahren aus. Größere Investitionen in die Sicherheits-Infrastruktur, wie zum Beispiel der Bau eines Tresorraumes, werden sich aber meist nicht lohnen. Unternehmen, die nicht über eine geeignete Infrastruktur verfügen, können alternativ die Möglichkeit einer Einlagerung bei externen Dienstleistern prüfen.

Das Angebot von Banken ist bisher weitgehend auf die Vermietung von Schließfächern beschränkt. Im Normalfall sind Schließfächer im Rahmen des Schließfachvertrages nur mit einer geringen Summe versichert. Außerdem bieten sie weder den notwendigen Platz, noch eine ausreichende Sicherheit gegen den Aufbruch während der Betriebszeiten, z.B. durch einen anderen Schließfachkunden. Für die Einlagerung großer Bargeldmengen sind Schließfächer daher kaum geeignet. Gibt man die Einlagerung an Dritte weiter, wird die Sache, gerade im Hinblick auf zusätzliche Haftungsfragen und die Ausgestaltung des Dienstleistungs-/Mietvertrages, recht komplex.

Generell müssen, unabhängig von der Lagersituation, die Transport- und Lagerrisiken für das Bargeld bewertet, abgesichert und ggf. in Form von Versicherungen transferiert werden.


Risiko Transport

Der Transport des Geldes von der Bundesbank zum neuen Lagerort birgt ein substanzielles Risiko, insbesondere ein Überfallrisiko. . Allein im Raum Berlin wurden im letzten Jahr mehrere Werttransporter überfallen. Besonders hoch ist hierbei das sogenannte „Bürgersteigrisiko“ wenn Bargeld vom Gebäude ins geschützte Fahrzeug transferiert wird und umgekehrt. Daher sollte bei der Wahl des Lagerortes die Übergabesituation besonders überprüft werden;  idealerweise gibt es einen kameraüberwachten und mit Überfallmeldern ausgestatteten Schleusenbereich.

Für die Risiken des Transports verfügen die meisten Werttransportunternehmen über einen weitreichenden Versicherungsschutz. Nichtsdestotrotz sollten die Versicherungsbestätigungen eingehend geprüft werden, da die Versicherungssummen (so auch beispielsweise für das „Bürgersteigrisiko“) teilweise mit Sublimitierungen versehen sind. Um eine Unabhängigkeit von der Haftungsversicherung zu erreichen und Summen- und Konditionsdifferenzen auszugleichen, können Ergänzungsdeckungen sinnvoll sein.

Risiko Lagerung

Ist das Geld erst einmal am Lagerort, spielen die üblicherweise in der Sachversicherung dominierenden Feuer- und Naturgefahren eine untergeordnete Rolle.

Die Risiken durch Naturgefahren sind bei einer Aufbewahrung im Wertschutzraum als so gering anzusehen, dass bis auf eventuelle geringe Kosten, z.B. für das Trocknen des Geldes nach einer Überschwemmung, keine Risiken erkennbar sind.

Das Feuerrisiko wird durch die Brandlasten und die Anzahl von möglichen Zündquellen bestimmt. Hinzu kommt, dass im Schadenfall eventuell ein Ersatz durch die EZB erfolgt, wenn das Bargeld als solches noch erkennbar ist oder ein anderer Nachweis über die Geldmenge vorliegt. Meist lässt sich das Feuerrisiko durch eine Überwachung per Brandmeldeanlage (Rauchmelder)  und durch ein Stromlosschalten von elektrischen Anlagen (z.B. Klimaanlagen)  auf ein Minimum reduzieren.

Der Versicherungsschutz gegen Feuerschäden ist aber in jedem Fall empfehlenswert.

Hauptrisiko Einbruchdiebstahl und Raub

Schäden durch Einbruchdiebstahl und Raub hingegen sind die Hauptrisiken am Lagerort, für deren Reduzierung umfangreiche mechanische und elektronische Sicherungen sowie organisatorische Maßnahmen notwendig sind.

Zunächst ist ein hoher mechanischer Schutz in Form von Wertschutzräumen höchster Qualität die Ausgangsbasis und Voraussetzung für ein gutes Sicherheitskonzept. Beispielhaft seien hier die alten deutschen Normen T2 bzw. T20(KBEX) oder die neuen europäischen Widerstandsklassen CEN XII oder CEN XIII (CDEX) genannt. Natürlich sind Wertschutzräume  in 6-seitiger Ausführung (Boden, Wände, Decke) und mit einer Tür der gleichen Qualität ausgestattet.

Ergänzt werden diese mechanischen durch umfangreiche elektronische Sicherungen, die jegliche Öffnungs- und Einbruchversuche frühzeitig detektieren. Eine solche Einbruchmeldeanlage erkennt aber nicht nur den Einbruchversuch, sondern bietet darüber hinaus vielfältige Möglichkeiten eines Überfallalarms und leitet diesen auf mehreren Übertragungswegen an eine ständig besetzte Notruf- und Serviceleitstelle weiter. Von dort aus wird auf Basis zuvor aufgestellter Alarmpläne eine Intervention von Sicherheitskräften veranlasst und koordiniert.

Bildet der mechanische Schutz die Basis für den Schutz gegen Einbruchdiebstahlschäden, entfällt er bei einem Raub, da der Wertschutzraum üblicherweise während der Arbeitszeit geöffnet ist. Das Raubrisiko ist daher höher zu bewerten und erfordert besondere Aufmerksamkeit in der Vorfeldsicherung, den Zugangsregelungen (Schleusen) sowie den Möglichkeiten, einen Überfallalarm abzusetzen und eine entsprechende Intervention von Sicherheitskräften auszulösen.

In der Intervention zeigt sich der dritte und vielleicht schwierigste Teil eines guten Sicherheitskonzeptes: die organisatorischen Maßnahmen. Lassen sich Mechanik und Elektronik noch klar und eindeutig in Form von Widerstandszeiten, Normen und Überwachungszielen definieren, so sind die organisatorischen Maßnahmen meist sehr komplex, da sie nicht nur unterschiedliche Schutzziele miteinander vereinen, sondern auch permanenten Veränderungen durch Personalwechsel und Umstrukturierungen im Unternehmen unterliegen.

Für folgende Bereiche ist neben den mechanischen und elektronischen Komponenten ein optimales organisatorisches Sicherheitskonzept entscheidend:

  • Transport und Übergabepunkt des Bargeldes, z.B. in Fahrzeugschleusen
  • Dokumentation (Kameraüberwachung) der Einlagerung und deren Aufbewahrung
  • Zugang von Mitarbeitern und Dritten zum Tresorraum und Tresorvorraum (Sicherheitsbereich)
  • Schlüsselverwaltung und –aufbewahrung, 4-Augen-Prinzip,
  • Betriebszeiten des Tresorraumes und ein eventuell vorhandener Zeitverschluss des Tresorraumes

Die Sicherheitskonzepte für diese Kernbereiche, eine umfassende Kameraüberwachung und nicht zuletzt das 4-Augen-Prinzip, helfen, das Risiko von Unterschlagung und Mitarbeiterdiebstahl  zu reduzieren. Eine Risikobewertung sollte diese Aspekte stets berücksichtigen und ggf. den Vertrauensschadenversicherer einbinden.


Unterstützung durch den (Führungs-) Versicherer

Als Sachversicherer der hier genannten Risiken bieten wir Unterstützung bei der Risikoberatung und -optimierung. Der Blick von außen auf das Schutzkonzept ermöglicht eine objektive Bewertung der Risikosituation. Die wiederum bildet die Basis für die Bereitstellung der hierfür notwendigen, umfangreichen Deckungskapazitäten.

Im Gegensatz zur klassischen Industrieversicherung, in der die Risikoinformationen anhand von Risikoberichten zur Verfügung gestellt werden, erfolgt die Informationsweitergabe bei der Bargeldversicherung restriktiv und nur in Form grober Eckdaten. Teil des Schutzkonzeptes und der organisatorischen Maßnahmen ist nämlich auch, die Kenntnis über Details dieses Konzeptes in einem möglichst kleinen Kreis zu belassen. Dies erschwert potenziellen Tätern die Aufdeckung von Schwachstellen.

Weiterer Informationsbedarf auf Seiten der Versicherer kann in persönlichen Gesprächen geklärt werden.

Fazit

Bargeldeinlagerung ist dann eine echte Alternative, wenn sie mit größtmöglicher Sicherheit verbunden ist. Dazu braucht es ein ausgefeiltes Schutzkonzept,  eine professionelle Risikoanalyse und die passenden Versicherungslösungen.

Unser Experte

Ralph Schäfer leitet als Regional Practice Leader Property ein Team von Underwritern mit dem Kunden-Schwerpunkt im Bereich Utilities, Services, IT & Communication, zu denen auch Finanzdienstleister gehören.  

E-Mail: ralph.schaefer@allianz.com

 


[1] http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/sparkassen-plaene-geld-im-tresor-statt-bei-der-ezb-14104071.html