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Leidenschaft für Schäden Teil II: Erkenntnisse nutzbar machen

In der September-Ausgabe von momentum berichteten wir bereits über die eine Kernkompetenz des Allianz Zentrums für Technik (AZT): die „Schadenanalyse“ .

Die Arbeit der AZT-Ingenieure geht jedoch weit darüber hinaus.  Im Folgenden erläutert Stefan Thumm, in welcher Weise das Institut die Entwicklung von Prototypen begleitet und so seinen Beitrag für den technischen Fortschritt leistet.

Diesen Artikel finden Sie hier als pdf-Dokument zum Download.

Schäden, genauer Schäden an Gebäuden, Maschinen und Sachen, sind für Unternehmen kaum etwas Erfreuliches. Für das Allianz Zentrum für Technik hingegen sind sie tägliches Geschäft: Schäden liefern Erkenntnisse, die auf andere Weise vielleicht nicht gewonnen werden konnten; Erkenntnisse, die ähnliche Schäden verhindern helfen; Erkenntnisse, die technische Neuentwicklungen weiterbringen und versicherbar machen.

Aus Schäden lässt sich lernen und dieses Wissen kann man mit anderen teilen - so wie es das Allianz Zentrum für Technik (AZT) seit Jahrzehnten praktiziert.

Risikoanalyse auf verschiedenen Ebenen

Neben der Schadenanalysen (post-loss) beschäftigt sich das Allianz Zentrum für Technik (in Zusammenarbeit mit den Risk Consultants und den Schadeningenieuren der Allianz oder direkt im Auftrag von Unternehmen* mit Schadenverhütung, Risikobewertungen sowie Untersuchungen, die generell der Maschinen-, Anlagen- und Betriebssicherheit dienen (pre-loss).

  • Die Begleitung komplexer Projekte von der Planung über die Konstruktion, Fertigung und Montage bis hin zum Betrieb von Anlagen und Maschinen
  • Die konzeptionelle und systemische Bewertung kritischer Infrastrukturen
  • Die Bewertung technischer „Upgrades“ und Prototyp-Entwicklungen.

Insbesondere mit der Prototyp-Bewertung leistet das AZT einen Beitrag dazu, die Risiken neuer Technologien besser zu verstehen und versicherbar zu machen. Im engen Zusammenspiel mit den Risikoingenieuren des Allianz Risk Consultings (ARC) bietet das AZT Untersuchungen in drei  Betrachtungstiefen an, zugeschnitten auf die Fragestellung des jeweiligen Unternehmens bzw. Auftraggebers.  Je tiefer die Analyse, desto umfassender die Untersuchungen.

*Externe Dienstleistung gegenüber unseren Kunden erbringt die Allianz über Allianz Risk Consulting GmbH.


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Abb. 1: Risikoanalyse für Prototypen (Quelle: AGCS)

In Abb. 1 sind die drei Ebenen der Prototypen-Analysen dargestellt. Auf Level A konzentrieren wir uns auf die klassischen risikotechnischen Untersuchungen eines Prototypen oder einer Prototyp-Technologie: mit begrenztem Aufwand ist es möglich, die Voraussetzungen für eine Versicherbarkeit des Prototypen zu schaffen; AZT-Experten unterstützen dabei den Risikoingenieur der Allianz (AGCS).

Auf Level B und C gehen wir noch einen Schritt weiter und bieten den Unternehmen technischen Support: auf Basis detaillierter Informationen und eigener Untersuchungen (Level C) zeigen wir mögliche Schwachstellen und Verbesserungsansätze auf. Ein bereits erstelltes Versicherungskonzept lässt sich auf diese Weise weiter optimieren.

Beispiel für eine Level B-Analyse: die technische Beurteilung eines neuen, getriebelosen Windturbinenkonzeptes. Im Rahmen mehrerer Workshops beim Hersteller werden die Kernkomponenten der neuen Konstruktion näher betrachtet.

AZT und AGCS, erfahren mit Windturbinentechnik und -schäden, geben eine Beurteilung über das Konzept des Prototypen ab, darunter zielgerichtete und begründete Hinweise im Hinblick auf mögliche Schwachstellen und Verbesserungspotential.

Der Hersteller nutzt die Workshops auf diese Weise als externes Design-Review; aus der Diskussion mit den Konstrukteuren ergeben sich eine Reihe von Ansatzpunkten für die Überarbeitung des Modells. Gleichzeitig liefern die Bewertungen durch das AZT und die Erfahrung der Risikoingenieure eine solide Basis, auf der das Underwriting ein adäquates Deckungskonzept erstellen kann – ein klassischer Win-Win-Effekt.


Einzelne Schadenfälle liefern Erkenntnisse, die der Industrie insgesamt zugutekommen

Wie sich Erkenntnisse aus Schäden nutzen lassen, wird besonders am Beispiel Windenergie deutlich. Seit 1992 haben wir etwa 150 Schäden an Windenergieanlagen untersucht, unter Mitwirkung verschiedenster Fachleute:  Experten für Zerstörungsfreie Prüfung (im Bereich Rotorblattfertigung), Elektroingenieure (im Bereich Blitz und Brandschutz), Werkstoffspezialisten (bei Korrosionsproblemen) sowie Getriebe- und Schwingungsexperten (für die Messung und Analyse des mechanischen Stranges).

Schadenuntersuchungen an Getrieben von Windenergieanlagen (WEA), Prototyp-Messungen und die Mitarbeit in Normungsgremien, Forschungs- und Industrieverbänden haben uns in die Lage versetzt, konkrete Empfehlungen für das Condition-Monitoring für Windturbinen zu veröffentlichen (2012). Gleichzeitig geben wir unsere Erkenntnisse immer auch als lessons learned an unsere Risikoingenieure weiter.

Ähnliches gilt für die risikotechnische Begleitung von Photovoltaik-Anlagen. Auch hier liefern Schadenuntersuchungen wertvolle Erkenntnisse, die in eine umfassende Risikoberatung für alle Bau- und Betriebsphasen von PV-Anlagen einfließen.

Einem breiten Publikum öffentlich gemacht werden die Forschungserkenntnisse des AZT im Rahmen der „AGCS Expertentage“, die alle zwei Jahre in München stattfinden. Außerdem führen wir Veranstaltungen zu Spezialthemen direkt bei den Unternehmen durch, etwa:

  • Auslagerung von Teilen der Fertigung nach China
  • Erfahrung mit QS-Überwachung und mit der Steuerung von Unterlieferanten
  • Schäden und lessons learned im Hinblick auf bestimmte Komponenten / Anlagen wie z.B. WEA Getriebe
  • Instandhaltung und Betrieb von Turbomaschinen
  • Kritische Infrastrukturen
  • Stromausfälle


Neue Herausforderungen

Im Jahr 2012 feierte das AZT sein 80-jähriges Bestehen. Als ständiger Beobachter und risikotechnischer Begleiter industrieller Neuerungen ist das Forschungsinstitut per definitionem auf Weiterentwicklung programmiert: Themen wie Nanotechnologie, 3-D-Druck, intelligente Stromnetze, Shalegas/Fracking, CO2-Abscheidung und -Speicherung, elektronische Mobilität und generell die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung werden uns zunehmend beschäftigen.

Potenzielle Risiken, die solche Neuentwicklungen bergen, müssen rechtzeitig identifiziert, bewertet und laufend beobachtet werden; nur so können wir Unternehmen im risikotechnischen Sinne adäquat beraten und nur so lassen sich innovative und individuell zugeschnittene Versicherungslösungen für sie entwickeln. Das AZT arbeitet eng mit den weltweit tätigen Allianz Risk Consultants (ARC) zusammen, darunter auch mit deren R&D-Abteilung. Alle gemeinsam leisten einen hohen Beitrag in dem Bemühen, Technologie verantwortungsvoll weiterzuentwickeln.

Mehr Informationen zum AZT finden Sie auf der AGCS Website unter Risk Consulting –> Allianz Center for Technology

Unser Experte

Dipl.-Ing. Stefan Thumm war bei einem Kraftwerkshersteller tätig, bevor er im Jahr 2000 zur Allianz kam; er gehört zur Leitung des Allianz Zentrums für Technik beschäftigt sich unter anderem mit der Bewertung von Prototypen aus dem Bereich Turbomaschinen.

E-Mail: stefan.thumm@allianz.com