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Gut abgestimmt

Die Nachfrage nach Internationalen Versicherungsprogrammen (IVP) ist ungebrochen. Und das wird mit der anhaltenden Ausweitung globaler Unternehmensaktivitäten auch weiter so bleiben. Immer mehr Unternehmen machen sich Gedanken darüber, welche Vorteile ein internationales Versicherungsprogramm für die Bewältigung ihrer Risiken im In- und Ausland haben kann. Bei der  Gestaltung und Umsetzung eines IVPs ist eine harmonische Zusammenarbeit aller Beteiligten (Unternehmen, Makler, Versicherer) mit klaren Spielregeln und Zeitabläufen unabdingbar.
Winfried Rommel, IVP-Experte bei der AGCS in München, empfiehlt die Vereinbarung eines Service-Journals oder -Protokolls, einem Projektplan vergleichbar.

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Existentieller Schutz bedarf eines ganzheitlichen Risikomanagements

International aufgestellte Unternehmen sind naturgemäß vielfältigen Risiken ausgesetzt, internen wie externen. Diese zu erkennen, zu bewerten und umsichtig abzusichern ist die Aufgabe der hauseigenen Risiko- und Versicherungsmanager.

In der Regel verfolgen die Unternehmen einen ganzheitlichen Risikomanagement (RM)-Ansatz mit dem Ziel, den finanziellen und unternehmerischen Erfolg zu sichern. Es geht um den Schutz der Shareholder- und Stakeholder-Interessen, aber auch um die Wahrnehmung der sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung. Es gilt, das Vermögen, Sachwerte (fixe und bewegliche), den finanziellen Status (Cash Flow, Forderungen, Einkommensverluste, etc.), immaterielle Werte (Daten, Know-how, Reputation), den Umsatz, Verkaufserlöse und den Gewinn zu schützen.

Viele Konzerne machen Aspekte des Risikomanagements zum Bestandteil ihrer Unternehmens-planung. Sie haben solide Strukturen und Prozesse geschaffen, um die unterschiedlichen Risikoarten identifizieren und darauf reagieren zu können. In Zusammenarbeit mit einem kompetenten, global präsenten Versicherer, der sich in der jeweiligen Wirtschaftsbranche gut auskennt und in diversen Sparten versiert ist, sind die Unternehmensrisiken auf betrieblicher Ebene beherrschbar.

Der Nutzen und die Effektivität eines IVP für ein international agierendes Unternehmen orientieren sich dabei nicht ausschließlich an der Versicherungsprämie. Es sind die 4 "C", die in Balance gebracht werden müssen:

1. Control: Die Platzierung eines umfangreichen IVP setzt einen Risiko- und Schaden-Management- Prozess voraus, der, über die Standorte des Unternehmens hinweg, nach eigenen Richtlinien zentral koordiniert und kontrolliert wird. Dadurch verschafft sich das Unternehmen Transparenz und Übersicht in Sachen Qualitätskontrolle.

2. Compliance: Im IVP ergänzen sich lokale Policen und länderübergreifende Deckungselemente. Für sie alle müssen die jeweiligen Konzern-, Aufsichts-, Rechnungslegungs- und Steuerbestimmungen angemessen berücksichtigt werden.

3. Coverage: Alle relevanten Risiken werden gedeckt durch eine Kombination aus Einzelpolicen, die lokale Risiken absichern, und einen Mantelvertrag, der die Deckungsunterschiede ausgleicht ("Difference in Conditions" / "Difference in Limits").

4. Cost: Mit der zentralen Platzierung und Verwaltung des IVP lassen sich Skaleneffekte nutzen sowie Kosten für die interne Risiko Management-Organisation einsparen.

Der Erfolg eines IVP hängt wesentlich davon ab, wie die am IVP beteiligten Parteien ausgestattet sind und mit welcher Sorgfalt sie den jeweiligen Anforderungen nachkommen.



Das Unternehmen bzw. der Versicherungsnehmer (VN)

Im Idealfall hat das Unternehmen einen zentral gesteuerten RM- und Versicherungsprozess etabliert, basierend auf einer eigenen Organisation mit lokalen Ansprechpartnern und Richtlinien, die die Qualität und zeitnahe Umsetzung des IVP sicherstellen. Im ersten Schritt ist eine Zusammenstellung und Aufbereitung umfassender Risikodaten für die Ausschreibung erforderlich.
Das schließlich vereinbarte IVP muss im Unternehmen kommuniziert und dezentral umgesetzt werden, sprich: Ergänzende lokale Informationen und erforderliche Unterschriften müssen unverzüglich zur Verfügung gestellt werden, ebenso die Kontaktdaten der verantwortlichen Personen pro Land. Ein wesentlicher Bestandteil der internen Anweisungen sind die Richtlinien für das Risikobewertungs-Prozedere, die Umsetzung und Kontrolle der Risikominimierungsmaßnahmen sowie die Meldung und Koordinierung von Schadenfällen.

Der Makler
Der Makler unterstützt die Entwicklung und Umsetzung eines IVP über ein breites Netzwerk, das nach klaren Servicerichtlinien über alle Länder hinweg arbeitet. Je nach Anforderung beteiligt er sich an der Informationsbeschaffung zu Risiken des VN, stellt die Ausschreibungsunterlagen zusammen und wendet sich an geeignete Versicherer.
Nach Abschluss des IVP gibt er alle notwendigen Informationen weiter und stellt sicher, dass die Ausfertigung der lokalen Policen und das Inkasso von Beiträgen zügig abgewickelt werden. Gegebenenfalls kümmert er sich darum, dass lokal erforderliche Dokumente beigebracht werden, die für die Ausfertigung der Police notwendig sind. Der Makler begleitet auch die Schadenbearbeitung in einem Umfang, wie es mit dem VN und Versicherer abgestimmt ist.

Der Versicherer
Der führende Versicherer übernimmt die Implementierung des IVP. Unter der Nutzung seines breit aufgestellten Netzwerks fertigt er die lokalen Policen aus. Industrieversicherer wie die AGCS nutzen dabei die lokalen Gesellschaften des eigenen Netzwerks oder ausgewählte Partner in Märkten, in denen sie nicht vertreten sind. Spezielle Informationssysteme unterstützen die Kommunikation, Vertragsabwicklung und Schadenbearbeitung.

Abb 1: IVP -  Anforderungen an die beteiligten Parteien eines IVP (Quelle: AGCS)
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Fazit: Wertschöpfung durch enge Zusammenarbeit

Die erfolgreiche Umsetzung eines globalen Programms bedarf eines intensiven Informationsaustausches zwischen allen Beteiligten. Alle wesentlichen Programmteile müssen verständlich und einvernehmlich kommuniziert werden. Von höchster Bedeutung sind dabei korrekte  Angaben zu Versicherungswerten, Versicherungssummen und Beiträgen je Land und Police. Für die Bearbeitung von Schäden sind klare Regeln und Abläufe zu definieren.

Ein IVP funktioniert nur dann zur Zufriedenheit des Auftraggebers, wenn es durch robuste Organisationsstrukturen und Richtlinien gestützt ist, die die harmonische Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmen, dem Makler und dem Versicherer ermöglichen. Die Vereinbarung eines „IVP Serviceplans“ kann dabei nur von Nutzen sein.

 

Der Autor

Winfried Rommel ist Head of Global Practice Group & Partner Management. Er leitet eine fachübergreifende Expertengruppe, die sich innerhalb der AGCS mit vielfältigen Themen rund um IVP, deren Umsetzungsbestimmungen und Prozesse beschäftigt. Er ist verantwortlich für die entsprechenden Servicevereinbarungen der AGCS mit Allianz-Gesellschaften und ausgewählten Partnern in der ganzen Welt.

E-Mail: winfried.rommel@allianz.com

 

Lesen Sie auch den Artikel von Dr. Katrin Urban über die Gestaltung von Internationalen Versicherungsprogrammen aus juristischer Perspektive.
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