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agcs.momentum

Eine Kombilösung, die fliegt

Gehören bestimmte Risiken in den Bereich Luftfahrt oder nicht? Der Problematik der Abgrenzung von Luftfahrtrisiken im Hinblick auf die Haftpflicht begegnet die AGCS ganz pragmatisch: Underwriter der Allgemeinen Haftpflicht und der Luftfahrt arbeiten Hand in Hand, um Deckungslücken auf Versicherungsnehmerseite zu vermeiden.

Was das im Einzelnen bedeutet, erörtern Marcel Wagner, Chief Underwriter Aviation, und Lucas Frei, Chief Underwriter Liability, beide tätig bei der AGCS Schweiz*.

Diesen Artikel finden Sie hier als pdf-Dokument zum Download.

*AGCS Schweiz ist eine Division der Allianz Risk Transfer AG

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Wegen ihrer hohen Volatilität sind Luftfahrtrisiken in der Regel aus der Allgemeinen Haftpflichtdeckung ausgeschlossen (Quelle: Shutterstock)

Historisch bedingt enthalten Betriebshaftpflichtversicherungen der allgemeinen Haftpflicht in der Regel eine Ausschlussklausel für Hersteller und Lieferanten in die Luftfahrtindustrie.

Eine solche Klausel könnte wie folgt lauten:

Nicht versichert sind Ansprüche im Zusammenhang mit Planung oder Konstruktion, Herstellung oder Lieferung von Luft- oder Raumfahrzeugen oder Teilen für solche Luft- oder Raumfahrzeuge, soweit diese Teile erkennbar für den Bau von Luft- oder Raumfahrzeugen oder den Einbau in Luft- oder Raumfahrzeuge bestimmt waren sowie Ansprüche im Zusammenhang mit anderen Tätigkeiten (z.B. Montage, Wartung, Inspektion, Überholung, Reparatur, Beförderung) an Luft- oder Raumfahrzeugen oder Luft- oder Raumfahrzeugteilen.

Nicht immer lässt sich eindeutig sagen, ob es sich im Einzelfall um ein Luftfahrtrisiko handelt oder nicht:

  • Werbeaufnahmen einer Firma an/in einem Luftfahrzeug
  • Betreiber von Restaurationsbetrieben, Shops, etc. in Flughäfen
  • Hersteller von Passagiertreppenfahrzeugen
  • Hersteller von Werkzeugen zur Luftfahrzeug-Reparatur
  • Beladung eines Helikopters im Rahmen einer just-in-time Lieferung
  • Hersteller von Anlagen zur Befeuerung von Landebahnen / Radar- bzw. Funkanlagen
  • Arbeitnehmerüberlassung von Luftfahrttechnikern bzw. Ground-Handling Personal
  • Catering Firmen, welche nebst Luftfahrtunternehmen auch noch Läden, Restaurants etc,. beliefert

Neben diesen Beispielen gibt es noch viele andere Dienstleistungen oder Produktbereiche, die sich nicht eindeutig als Luftfahrt- oder „Nicht–Luftfahrtrisiko“ definieren lassen.


Was bedeutet die unklare Abgrenzung in der Praxis und wie geht die AGCS damit um?

Für Betriebe, die unter anderem auch für die Luftfahrtindustrie produzieren oder in die Luftfahrtindustrie liefern, besteht oftmals das Problem, dass sie ihr Risiko nicht komplett absichern können oder hierfür zwei separate Deckungen abschliessen müssen, da viele Versicherer nicht in der Lage sind, dies in einer kombinierten Form anzubieten. Für den Kunden kann dies im Schadenfall, insbesondere wenn er nicht eindeutig dem Luftfahrt- oder Nicht-Luftfahrtbereich zuzuordnen ist, zu unangenehmen und langwierigen Diskussionen oder gar Deckungslücken führen.

Umgekehrt ist es natürlich auch so, dass reine Luftfahrtkunden teilweise spezielle „Nicht-Luftfahrt-Deckungen“ benötigen, welche die Luftfahrtabteilung nur begrenzt (in der Regel nur mit limitierten Deckungssummen) oder auch gar nicht anbieten kann. Dies ist speziell im Bereich der Umweltrisiken, der Dienstmiete, usw. der Fall.

Hier zahlt sich eine enge, abteilungsübergreifende Zusammenarbeit zwischen den Underwritern der Allgemeinen Haftpflicht und der Luftfahrt aus – so, wie wir es auch bei der AGCS in der Schweiz praktizieren.

In Zusammenarbeit mit Kunden und Maklern konnten wir bereits mehrfach individuelle Lösungen diversen Zuschnitts entwickeln. Diese reichen von einer Kombi-Police über eine interne Rückversicherungslösung bis hin zu Exzessdeckungen; letztere kommt insbesondere dann in Frage, wenn das Risiko wegen geringer Exponierung eigentlich von der allgemeinen Haftpflicht gedeckt werden könnte, jedoch die Abnehmer aus der Luftfahrtindustrie vom Hersteller/Lieferanten hohe Deckungssummen verlangen, wie sie in der allgemeinen Haftpflicht unüblich sind.

Darüber hinaus hat der Kunde/Makler den klaren Vorteil, dass er für allfällig benötigte Informationen, egal ob diese nun luftfahrtspezifische Themen betreffen oder nicht, jederzeit eine kompetente Ansprechperson bei seinem Haftpflichtversicherer findet. Auch können fragliche Punkte direkt unter den beiden Abteilungen intern geklärt und anschliessend mit dem Kunden besprochen werden.

Unsere Versicherungslösungen sind massgeschneidert und auf die Kundenbedürfnisse individuell abgestimmt. Die folgenden Beispiele sollen einen Eindruck davon vermitteln, wie vielfältig unsere Ansätze sind:

  • Ein Unternehmen ist international an Flughäfen tätig, sowohl im Flughafen selbst, als auch bei der Abfertigung von Flugzeugen. Die Warenlager liegen ausserhalb des Flughafengeländes.

-> Mit je einem weltweiten Haftpflicht- und Luftfahrtprogramm  (mit sich überschneidenden Deckungen) ist das Unternehmen auf der sicheren Seite. Die Schadenbehandlung wird intern entsprechend koordiniert.

  • Ein Unternehmen stellt Produkte her, die sowohl in den Luftfahrtbereich, als auch in andere Industriebereiche geliefert werden.

-> Wir versichern mit einem internationalen Haftpflichtprogramm die Risiken des Kunden; die luftfahrtspezifischen Deckungen sind im Programm integriert und werden auf dem Rückversicherungsweg an die Luftfahrtkollegen zurückzediert. Die Schadenbehandlung erfolgt in enger Zusammenarbeiter beider Sparten.

  • Ein Unternehmen ist international ausschliesslich an Flughäfen tätig, muss jedoch aufgrund von Vorschriften eine sehr hohe Deckungssumme (im 3stelligen Mio.-Bereich) abschliessen.

-> Mit einem internationalen Haftpflichtprogramm und einem daran anknüpfenden Exzedentenvertrag der Luftfahrtabteilung gewährleisten wir einerseits das gewünschte Versicherungslimit und andererseits die notwendigen Deckungserweiterungen. Auch hier ist der spartenübergreifende Schadenservice gewährleistet.


Und nun noch zu einem weiteren, wichtigen Punkt unseres „Kombi-Konstrukts“, der allfälligen Schadenabwicklung.

Im Schadenfall stehen den Kunden/Brokern die Experten beider Schadenabteilungen zur Verfügung, die „ihre Kunden“ ja meist gut kennen. Dadurch kann untereinander Know-how ausgetauscht und sich gegenseitig unterstützt werden, was sicherlich nicht viele Versicherer in dieser Form anbieten können.

Als Beispiel ein Flughafenbetreiber: Hier wird im ersten Schritt der Kunde/Broker eher den Kollegen aus Luftfahrt ansprechen, da man sich seit Jahren kennt und sich vertraut, und zwar unabhängig davon, welche der beiden Deckungen es betrifft.  Die entsprechende Abklärung bzw. Aufteilung kann anschliessend intern vorgenommen werden. Dadurch behält der Kunde/Broker seinen gewohnten „Entry Point“; und um alles Weitere kümmert sich anschliessend der Versicherer.

Somit können Schadenfälle ohne grosse Verzögerung reguliert werden, unabhängig davon, ob von vornherein klar ist , ob es sich um einen Luftfahrt- oder um einen allgemeinen Haftpflicht-Schadenfall handelt. Besonders im Hinblick auf Personenschäden ist das von Vorteil, wenn es darum geht, Geschädigten schnell finanzielle Hilfe anzubieten oder kurzfristig Gutsprachen für Anwaltskosten freizugeben.

Unsere Experten

Lucas Frei, Chief Underwriter Liability Switzerland, seit 01.07.2004 bei der Allianz (ICB) und Wechsel per 01.07.2007 zur AGCS, A Division of Allianz Risk Transfer AG, Switzerland.

E-Mail: lucas.frei@art-allianz.com

Marcel Wagner, Chief Underwriter Aviation Switzerland, seit 01.07.2000 in Luftfahrt tätig, 7 Jahre bei einem Luftfahrtbroker, anschliessend per 01.07.2007 Wechsel zu AGCS, A Division of Allianz Risk Transfer AG, Switzerland.

E-Mail: marcel.wagner@art-allianz.com